KI-Nutzung

KI-Verordnung der EU: Was KMU wissen müssen

Die EU-KI-Verordnung (AI Act) reguliert den Einsatz von KI in Europa. Ein Überblick über Risikoklassen, Pflichten und konkrete Schritte für KMU.

Letzte Aktualisierung: Februar 2026

Das Wichtigste in 30 Sekunden:
  • Die KI-Verordnung (EU AI Act) ist seit Juni 2024 in Kraft
  • Risikobasierter Ansatz: Je höher das Risiko, desto strenger die Auflagen
  • Verboten: Social Scoring, manipulative KI, biometrische Massenüberwachung
  • Erste Pflichten (KI-Kompetenz, Verbote) gelten seit Februar 2025
  • Hochrisiko-Regeln greifen ab August 2026

Was ist die KI-Verordnung?

Die KI-Verordnung – offiziell "Verordnung zur Festlegung harmonisierter Vorschriften für Künstliche Intelligenz" – ist der erste umfassende Rechtsrahmen für KI weltweit. Sie regelt, wie KI in der EU entwickelt und eingesetzt werden darf.

Die Verordnung soll vertrauenswürdige KI in Europa fördern und die Rechte der Bürger schützen.

Die wichtigsten Meilensteine:

  • 2018: Erste EU-Diskussionen zu KI-Regulierung
  • April 2021: Erster Entwurf des AI Acts
  • Juni 2024: Verabschiedung als Verordnung 2024/1689
  • Februar 2025: Erste Pflichten (KI-Kompetenz, Verbote) in Kraft
  • August 2025: Transparenzpflichten in Kraft
  • August 2026: Vollständige Anwendung für Hochrisiko-KI

Der risikobasierte Ansatz

Die Verordnung klassifiziert KI-Systeme nach ihrem Risikopotenzial. Je höher das Risiko, desto strenger die Anforderungen.

Risikoklasse Beispiele Konsequenz
Inakzeptabel Social Scoring, manipulative KI Verboten
Hoch HR-Entscheidungen, Kreditvergabe, Medizin Strenge Auflagen
Begrenzt Chatbots, KI-generierte Inhalte Transparenzpflicht
Minimal ChatGPT, DeepL, Copilot Keine besonderen Pflichten

Minimales Risiko – Die meisten KMU

Die gute Nachricht: Die meisten KI-Anwendungen in KMU fallen in diese Kategorie. Wenn ihr ChatGPT für Texte, DeepL für Übersetzungen oder Copilot für Code nutzt, seid ihr hier.

Was das bedeutet: Keine besonderen Auflagen – aber die KI-Kompetenz-Pflicht nach Artikel 4 gilt trotzdem.

Begrenztes Risiko – Transparenzpflicht

Wenn eure KI direkt mit Menschen interagiert, müsst ihr transparent sein:

  • Chatbots müssen als KI gekennzeichnet sein
  • KI-generierte Bilder/Videos müssen als solche erkennbar sein
  • Deepfakes müssen gekennzeichnet werden

Mehr dazu: Transparenzpflicht nach Artikel 50

Hohes Risiko – Strenge Auflagen

Wenn eure KI Entscheidungen über Menschen trifft, wird es ernst:

  • HR-Bereich: KI-gestützte Bewerberauswahl, Leistungsbewertung
  • Kreditvergabe: KI-basierte Bonitätsprüfung
  • Gesundheit: Diagnose-Unterstützung, Behandlungsempfehlungen
  • Bildung: Prüfungsbewertung, Lernempfehlungen

Anforderungen für Hochrisiko-KI:

  • Dokumentation von Daten und Algorithmen
  • Risikomanagement und Qualitätssicherung
  • Menschliche Aufsicht
  • Regelmäßige Überprüfung
Verbotene Praktiken (seit Februar 2025):
  • Social Scoring – Bewertung von Menschen nach Verhalten
  • Manipulative KI – die Schwächen ausnutzt
  • Biometrische Echtzeit-Überwachung im öffentlichen Raum
  • Emotionserkennung am Arbeitsplatz/in Schulen

Was bedeutet das für KMU?

Die meisten KMU sind von den strengen Hochrisiko-Regeln nicht betroffen. Trotzdem gelten einige Pflichten:

Pflicht Gilt seit Für wen?
KI-Kompetenz (Art. 4) Februar 2025 Alle KI-Nutzer
Verbotene Praktiken Februar 2025 Alle
Transparenzpflicht (Art. 50) August 2025 Chatbots, KI-Inhalte
Hochrisiko-Regeln August 2026 HR-KI, Kredit-KI etc.

Konkrete Schritte für KMU

Schritt 1: Bestandsaufnahme

Erstellt ein KI-Inventar:

  • Welche KI-Systeme nutzt ihr?
  • Zu welchem Zweck?
  • Welche Risikoklasse ist zutreffend?

Schritt 2: Risikoklasse bestimmen

Für jedes System prüfen:

  • Trifft die KI Entscheidungen über Menschen? → Möglicherweise Hochrisiko
  • Interagiert die KI direkt mit Menschen? → Transparenzpflicht
  • Nutzt ihr KI nur als Werkzeug? → Meist minimales Risiko

Schritt 3: KI-Kompetenz sicherstellen

Seit Februar 2025 Pflicht für alle KI-Nutzer. Dokumentiert eure Schulungen.

Zum Artikel: KI-Kompetenz nach Art. 4

Schritt 4: Transparenz umsetzen

Ab August 2025: Chatbots und KI-generierte Inhalte kennzeichnen.

Zum Artikel: Transparenzpflicht nach Art. 50

Chancen der Regulierung

Die KI-Verordnung ist mehr als eine bürokratische Hürde:

  • Rechtssicherheit: Klare Regeln schaffen Planbarkeit
  • Vertrauen: Kunden vertrauen regulierten KI-Lösungen mehr
  • Wettbewerbsvorteil: Regelkonforme Produkte sind international gefragt
  • Qualität: Die Anforderungen verbessern eure KI-Prozesse

Fazit

Die KI-Verordnung bringt klare Regeln für den KI-Einsatz in Europa. Für die meisten KMU bedeutet das:

  • KI-Kompetenz sicherstellen – Mitarbeiter schulen und dokumentieren
  • Transparent sein – Chatbots und KI-Inhalte kennzeichnen
  • Bei Hochrisiko-KI aufpassen – HR- und Kreditentscheidungen prüfen

Wer jetzt anfängt, hat genug Zeit. Die Fristen laufen – aber sie sind machbar.

Checkliste: KI-Verordnung für KMU

  • KI-Inventar erstellt (welche Systeme, welcher Zweck)
  • Risikoklassen für alle Systeme bestimmt
  • KI-Kompetenz-Schulung durchgeführt und dokumentiert
  • Transparenzhinweise für Chatbots/KI-Inhalte vorbereitet
  • Bei Hochrisiko-KI: Detailprüfung eingeplant

Weiterführende Ressourcen

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